Was ist eine dilatative Kardiomyopathie?
Die dilatative Kardiomyopathie (DCM) ist bei mittelgroßen und großen Hunderassen eine der häufigsten Ursachen für Herzversagen und den plötzlichen Herztod. Bei dieser Erkrankung nimmt die Pumpkraft des Herzmuskels (myokardiale Kontraktilität) im Verlauf fortschreitend ab.
Um den sinkenden Blutdruck auszugleichen, aktiviert der Körper sogenannte neurohumorale Kompensationsmechanismen – darunter das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System. Diese Gegenregulation führt auf Dauer zu einer Volumenüberladung, zur Erweiterung der Herzkammern (exzentrische Hypertrophie) und schließlich zum Herzversagen mit Lungenödem oder Aszites (Bauchwassersucht).
Welche Hunderassen sind betroffen?
DCM ist überwiegend genetisch bedingt (idiopathisch) und verläuft je nach Rasse sehr unterschiedlich.
Dobermann
Der Dobermann gehört zu den am häufigsten betroffenen Rassen in Europa. Die Erkrankung vererbt sich autosomal-dominant und verläuft in drei Phasen:
- Frühphase: Der Hund zeigt keine äußerlichen Anzeichen der Erkrankung.
- Okkultes Stadium: Im Herzultraschall oder im Langzeit-EKG sind bereits Veränderungen nachweisbar, während die Besitzer nichts Auffälliges bemerken. In dieser Phase besteht bereits ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod.
- Klinisches Endstadium: Typische Symptome wie Atemnot und Husten treten auf. Das Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bleibt hoch.
Boxer
Beim Boxer liegt eine eigenständige, ebenfalls autosomal-dominant vererbte Erkrankungsform vor: die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC). Hierbei kommt es zu einer Verfettung des rechten Ventrikels. Im Vordergrund stehen ausgeprägte ventrikuläre Herzrhythmusstörungen, die häufig zu Synkopen (kurzen Ohnmachtsanfällen) und einem erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod führen – eine Pumpkraftschwäche entwickelt sich in frühen Stadien meist nicht.
Irischer Wolfshund und Deutsche Dogge
Bei diesen Rassen tritt häufig Vorhofflimmern auf, das dem typischen Ultraschallbild einer DCM teilweise um Jahre vorausgehen kann. Irische Wolfshunde zeigen im Vergleich zu anderen betroffenen Rassen eine verhältnismäßig längere Überlebenszeit nach der Diagnose.
Portugiesischer Wasserhund
Bei dieser Rasse ist eine juvenile Form der DCM beschrieben, bei der betroffene Welpen bereits in den ersten Lebenswochen an akutem Herzversagen versterben können.
Ursachen und sekundäre Formen
Neben der genetisch bedingten Form gibt es sekundäre Ursachen, die einer DCM zugrunde liegen können:
- Tachykardie-induzierte DCM: Anhaltende Herzrasen über längere Zeit kann die Herzmuskulatur schädigen und zu einer DCM führen.
- Taurinmangel-Kardiomyopathie: Ein Mangel an der Aminosäure Taurin kann ebenfalls eine DCM auslösen. Beim Cockerspaniel tritt dieser Mangel rassespezifisch und unabhängig vom Futter auf. Bei anderen Hunderassen entsteht er häufig ernährungsbedingt, etwa durch rohes Füttern (BARF), Lamm-Reis-Diäten oder sehr proteinarm zusammengestellte Rationen.
Bei einer Taurinmangel-Kardiomyopathie ist die Messung des Taurinspiegels im Blut ein wichtiger diagnostischer Schritt. Wird ein Mangel festgestellt, kann eine entsprechende Supplementierung eingeleitet werden, die in einigen Fällen zu einer Rückbildung der Herzveränderungen führen kann.
Diagnostik
Ein Röntgenbild des Brustkorbs ermöglicht zuverlässig erst im fortgeschrittenen Stadium Rückschlüsse auf eine DCM. Für eine frühzeitige Diagnose sind folgende Untersuchungen entscheidend:
Echokardiographie (Herzultraschall)
Die Echokardiographie ist die zentrale Methode zur Beurteilung der Herzfunktion. Die Simpson-Scheibchen-Summationsmethode (SSSM) gilt dabei – insbesondere beim Dobermann – als aktuelles Verfahren der Wahl, da sie frühe Veränderungen der systolischen Herzfunktion zuverlässiger erfasst als ältere Messmethoden.

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